Stellungsnahme-2016 - Frauenzentrum Schwäbisch Hall e.V.

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Stellungsnahme-2016

Aktionen > One Billion Rising
Gewalt gegen Frauen gibt es in Deutschland
nicht erst seit Silvester 2015

Das Frauenzentrum Schwäbisch Hall setzt sich seit Jahren für Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern ein und engagiert sich gegen Frauenfeindlichkeit und sexualisierte Gewalt. Angesichts der öffentlichen Diskussion, die von den Übergriffen gegen Frauen in der Silvesternacht ausgelöst wurde, wollen wir hier unseren Standpunkt klarstellen:
Es ist für alle schädlich, wenn Populisten die Themen Geschlechtergerechtigkeit und Gewalt gegen Frauen instrumentalisieren, um gegen einzelne Bevölkerungsgruppen zu hetzen, wie das aktuell in der Debatte um die Silvesternacht geschieht.

Gewalt gegen Frauen gibt es in Deutschland nicht erst seit Silvester 2015:
Die polizeiliche Kriminalstatistik weist jährlich mehr als 7.300 angezeigte Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen in Deutschland aus, das sind zwanzig jeden Tag. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher.
Doch es ist möglich diesen traurigen Normalzustand zu ändern. Dafür braucht es keine scheinheiligen Lippenbekenntnisse, sondern Taten! Sowohl die Politik als auch die Bevölkerung sind dabei zum Hören und Handeln aufgerufen. Es gibt bereits viele Handlungsmöglichkeiten. Nun gilt es auf diejenigen zu hören, die in jahrelanger Auseinandersetzung mit der Thematik solche Strategien erarbeitet haben, und sie auch umzusetzen.

Hier einige Beispiele:

·Die Arbeit von Beratungsstellen und Frauenhäuser muss gestärkt und ausgebaut werden, einschließlich besserem, schnelleren Zugang zu Therapieplätzen. Hier geht es auch um finanzielle Absicherung dieser Angebote.

·Die Gesetzeslage muss angepasst werden: Sexuelle Belästigung ist in Deutschland immer noch keine eigenständige Straftat. Und auch in Bezug auf Vergewaltigung existiert noch kein ausreichender gesetzlicher Schutz: Wenn jemand einen Geldbeutel klaut, braucht man nicht vorher „Nein“ zu sagen, oder gar den Dieb zu verprügeln, damit er rechtskräftig verurteilt werden kann. Ganz anders beim Thema Vergewaltigung:  Ein „Nein“ zum Sex – sei es verbal oder körperlich geäußert - reicht bei der aktuellen Gesetzeslage noch lange nicht aus. Erst wenn sich die Frau massiv körperlich wehrt, besteht Aussicht auf Erfolg einer Klage. Die sexuelle Selbstbestimmung in Deutschland ist also nicht voraussetzungslos geschützt. Diese Schutzlücken im §177 StGB gilt es endlich zu schließen! Das Frauenzentrum unterstützt seit zwei Jahren die Kampagnen zu diesem Thema.

·Mehr öffentliche Aufklärungsarbeit hilft, Gewalt zu vermeiden. In der öffentlichen Debatte wird z.B. oft verschwiegen, dass statistisch die Gefahr, Sexismus und sexualisierte Gewalt zu erleben im engen sozialen Umfeld besonders groß ist. Und es bedarf einer gesellschaftlichen Debatte über das Geschlechterverhältnis. Gebraucht wird Aufklärung und Sensibilisierung, die im Kindergarten beginnt und sich durch alle gesellschaftlichen Bereiche zieht.

·Betroffene sexualisierter Gewalt müssen ernst genommen werden. Verhaltensregeln für Betroffene mögen zwar gut gemeint sein, erwecken aber den Anschein, die Verantwortung läge bei den Opfern und nicht bei den Tätern. Und es braucht aufmerksamkeitsstarke Kampagnen im öffentlichen Raum, die deutlich machen, dass die Grenzen anderer Personen und deren sexuelle Integrität unantastbar sind. Es sind die (potenziellen) Täter, für die Verhaltenstipps nötig sind.

·Wer Zeuge/in von sexualisierter Gewalt und Frauenfeindlichkeit wird, sollte nicht wegschauen, sondern eingreifen – von Hilfe bei sexualisierten Übergriffen bis zum Einspruch gegen sexistische Sprüche, „Witze“ oder Werbung. Beschwerden gegen frauenfeindliche Werbung können z.B. beim Deutschen Werberat eingereicht werden. Das Frauenzentrum Schwäbisch Hall hatte bereits mehrmals Erfolg mit solchen Beschwerden.

·Berichterstattung über sexualisierte Gewalt darf die Opfer nicht verhöhnen und die Taten nicht verschleiern. Täter sollten nicht als „Sex-Gangster” oder „Sex-Mob” beschrieben werden: sexualisierte Gewalt hat nichts mit Sex zu tun. Und häusliche Gewalt sollte nicht als „Familien-” oder „Beziehungsdrama” verharmlost werden.

·Sexismus und andere Diskriminierungsformen müssen als Nährboden für Gewalt verstanden werden. Es muss ernst genommen werden, wie z.B. die Darstellung weiblicher Körper als Lustobjekte in Medien und Werbung mit sexualisierter Gewalt verknüpft ist.

Wichtig ist es auch das Selbstbewusstsein von Frauen zu stärken. Dafür bietet das Frauenzentrum seit über 25 Jahren einen Raum: ein vielfältiges Programm bietet Frauen die Möglichkeit wichtige Fertigkeiten zu erlernen, sich auszutauschen, angstfrei zu feiern, gemeinsam gegen Missstände vorzugehen und Neues auszuprobieren. Als Beispiele seien hier genannt: Selbstverteidigungskurse, Aktionen zum Tag „Frauen gegen Gewalt“, Beschwerden gegen frauenfeindliche Werbung, Vorträge wie „Mut zum Aufbruch – eine Frau fährt mit dem Rad um die Welt“ und natürlich die weltweite Aktion „One Billion Rising“.


Die Vorstandsfrauen des Frauenzentrums Schwäbisch Hall e.V.
Februar 2016
 
Frauenzentrum Schwäbisch Hall e.V. , Haalstraße 9, 74523 Schwäbisch Hall, frauenzentrum-sha@gmx.de
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